Archiv für Mai 2009

Juli Zeh: Corpus Delicti (Ein Prozess)

Freitag, 22. Mai 2009

“Das Mittelalter ist keine Epoche, sondern der Name der menschlichen Natur.”
Das ist schon großartig. Trotzdem nicht mein Buch. Nicht weil es zeitweise sehr grausam ist, nicht weil es ein erschreckendes Ende hat. Nein, weil die Figuren mich nicht berühren, die Charaktere sind einfach zu oberflächlich. Man kann dieses Buch als eine politische Prozessbeschreibung lesen und so gesehen ist es ein respektables Werk. Nachdenken über unseren Staat in Bezug auf Internetsperren, biometrische Daten & Co ist immer gut. Vielleicht war mir das Szenario aber etwas zu platt. Oder zu realistisch?
Lesenswert ist auf jeden Fall Torsten Larbigs Kritik in seinem Lehrerblog.

Ralf Hussmann: Nicht mein Tag.

Freitag, 22. Mai 2009

“Man guckt die Leute immer nur vor’n Kopp.”  Selten hab ich Heimatgefühle, aber manche Dinge kann sprachlich nur der Ruhrpott.
Kein literarisches Meisterwerk dieser Roman, aber kurzweilig und spannend und gar nicht so simpel, wie man zu Beginn vermutet. Eigentlich ein Buch über die Midlife Crisis eines 40jährigen mit Frau und Kleinkind. Der ist leider Bankangestellter und findet das selber total öde. Automarken spielen eine große Rolle: Subarus und Mustangs vor allem. Dazu kommt ein Szenario aus bunten Figuren und leicht schlampigen Mädels. Und einem wirklich Bösen – also der mit der Knarre -, mit dem unser Hauptdarsteller sich innerlich verbrüdert, weil dessen Träume noch mehr in die Hose gehen als seine eigenen. Ach ja, grundsätzlich geht es um einen Banküberfall, eine Geiselnahme, die zwischendurch mal keine mehr ist und einen Rückblick auf 40 gelebte Jahre. Und am Schluss wird klar, die Verantwortung dafür wie das eigene Leben verläuft trägt man allein. “Und nichts wird besser.”

Nicht auf den Mund gefallen

Sonntag, 17. Mai 2009

“Wo hast du den Schnupfen schon wieder her?”
“Den hab ich gekauft!”

Doof ist er ja nicht.

Sonntag, 17. Mai 2009

“Mama, ich fühl mich ein bisschen krank.”
“Wo denn?”
“Überall!”
“Und was könnte man dagegen tun?”
“Sofort Fernsehen gucken!”

Winterreise

Donnerstag, 07. Mai 2009

Der beeindruckendste Film seit langem. Das letzte Mal sah ich Josef Bierbichler als eher ruhigen Typen in Im Winter ein Jahr. Ich bin kein Fan des Bayrischen, aber dieser Winterreise-Bierbichler haut  mich um. Beängstigend kraftvoll, verloren und trotzdem voller Leben. Der Dialekt passt perfekt. Grantelnd und cholerisch tobt er durch die Szenen. Singt betörende fremde Lieder und knallt zwei Sonnen seiner Depression ab. Sibel Kekilli schön wie immer, ernst und nebenfigurig. Hanny Schygulla als Gattin, immer im Haus. Die einzige die noch zu ihm hält. Er steht nackt am geöffneten Panoramafenster und versucht seine innere Hitze in der Schneekälte zu kühlen. Und brüllt. Singt. Leidet. “Arschloch” sein einziges Wort für die Menschen um ihn herum. Keine Kompromisse. Ein Drama im wahrsten Sinne. Eine Wucht. Die Bilder oft formal schön, oft Vogelperspektive, handkamera-ig, schnell, unruhig.
Nachhallend: 1.